In vielen Industriezweigen wird Altöl noch immer verbrannt – ein schneller und endgültiger Weg, den Rohstoff loszuwerden. Bei Isolierölen von Transformatoren lohnt sich jedoch ein genauer Blick, denn diese Öle sind hochwertig und sicherheitsrelevant. Wird bei Wartung oder Modernisierung Transformatorenöl gewechselt, steht schnell die Frage im Raum: Entsorgen oder aufbereiten?
Wann ist die Verbrennung eine gute Wahl für die Ölentsorgung?
Verbrennung ist dann eine gute Entscheidung, wenn das Isolieröl in einem Transformator relativ hoch mit PCBs (Polychlorierte Biphenyle) belastet ist. Bei stark PCB-belastetem Transformatorenöl gelten strenge Vorschriften. Zwei Methoden sind hier möglich:
- Dekontamination (z. B. Dechlorierung) oder
- Zerstörung in zugelassenen Anlagen – dazu zählt auch die Verbrennung in Hochtemperaturöfen.
Ob eine und welche dieser Methoden gewählt werden muss, hängt vom PCB-Gehalt und den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Sowohl in der EU als auch im Vereinigten Königreich gelten klare gesetzliche Grenzwerte:
- Alle PCB-haltigen Isolieröl-Mengen mit einem Volumen über 50 ml und einer Konzentration über 0,005 % (50 ppm) müssen zerstört oder irreversibel umgewandelt werden (EU-Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung – (EU) 2019/1021)).
- Es besteht hierfür eine Frist: bis spätestens Ende 2025.
(Quelle: Europäische Kommission – PCBs und PCTs)
Für nicht bzw. nicht stark PCB-belastete Isolieröle ist das selten der optimale Weg. Denn für Transformatorenöl, das nicht PCB-belastetet ist, gibt es mehrere Alternativen.
Mehr zu diesem Thema lesen:
Bei der Entsorgung von Transformatorenöl auch an Ölaufbereitung und Regeneration bzw. Recycling denken
Wenn keine PCB-Belastung vorliegt, muss Transformatorenöl nicht entsorgt werden – es kann behandelt (rekonditioniert) oder sogar regeneriert (recycelt) werden.
Typische Schritte bei der Aufbereitung von bestehendem Transformatorenöl:
- Filtration und Trocknung – entfernt Partikel und Wasser im Isolieröl
- Entgasung – stabilisiert die dielektrische Festigkeit des Isolieröls
- Adsorption – reduziert Alterungsprodukte und Säuren im Isolieröl
- Regeneration bzw. Recycling – bringt das Isolieröl in einen neuwertigen Zustand gemäß IEC 60296
Bei der Regeneration bzw. beim Recycling wird das gebrauchte Isolieröl so aufbereitet, dass es den Anforderungen der IEC 60296 (diese Norm definiert die Qualitätskriterien für neues und regeneriertes Mineral-Isolieröl) entspricht und in einen neuwertigen Zustand versetzt wird.
Für den Einkauf von Transformatorenöl bedeutet das: Bei Erfüllung der IEC 60296-Norm ist regeneriertes Isolieröl technisch gleichwertig zu neuem Isolieröl – und vollständig einsatzfähig.
Sowohl die Ölbehandlung als auch die Öl-Regeneration können stationär in spezialisierten Anlagen oder mobil vor Ort erfolgen – oft ohne lange Stillstandszeiten.
Mehr dazu:
Welchen Mehrwert bietet das Recycling gegenüber der Verbrennung von Isolieröl?
Ein qualifizierter Ölwechsel verlängert die Lebensdauer eines Transformators – unabhängig davon, ob neues Isolieröl oder regeneriertes Isolieröl in neuwertigem Zustand eingesetzt wird. Der Unterschied zur Verbrennung von Transformatorenöl liegt woanders. Vorteile Öl-Recycling:
So wird Regeneration zu einer gleichwertigen, aber nachhaltigeren Alternative, wenn keine gesetzliche oder technische Pflicht zur Zerstörung besteht. |
Ölentsorgung vermeiden: Halten Sie Transformatorenöle so lange wie möglich im Kreislauf
Isolieröle sind wertvolle Betriebsmittel – und gleichzeitig ein Hebel für mehr Nachhaltigkeit in der Energiewirtschaft.
Wer Transformatorenöle im Kreislauf hält, senkt die Beschaffungskosten, reduziert Abfallmengen und trägt aktiv zur Ressourcenschonung bei. Moderne Regenerationsverfahren ermöglichen es, Isolieröl mehrfach in den neuwertigen Zustand zu versetzen, ohne Abstriche bei der technischen Qualität zu machen.
Das Ergebnis: weniger Rohstoffverbrauch, geringere Umweltbelastung und eine klare Ausrichtung auf Unternehmensziele bzw. die Ziele der Kreislaufwirtschaft.
Mehr zum Thema erfahren Sie in diesem Interview:
Fazit: Prüfen Sie, ob Ihr altes Transformatorenöl wirklich entsorgt werden muss
Verbrennung ist nur dort sinnvoll, wo gesetzlich oder technisch eine Zerstörung vorgeschrieben ist – etwa bei PCB-Belastung ohne praktikable Dekontaminationsmöglichkeit. In allen anderen Fällen ist die Öl-Regeneration bzw. -das Öl-Recycling eine gleichwertige, aber ressourcenschonende Lösung. Sie versetzt gebrauchtes Transformatorenöl in neuwertigen Zustand (nach IEC 60296) und erfüllt damit die gleichen Normen wie neues Isolieröl, spart zusätzlich Kosten und unterstützt eine nachhaltige Beschaffungsstrategie.
Weiterlesen:
Praxistipps für die Isolierölentsorgung!
Bevor Sie eine Ölentsorgung veranlassen, sollten folgende Punkte im Vorfeld geprüft werden:
- Stark gealtertes oder kontaminiertes Transformatorenöl:
Vor einer Entscheidung empfiehlt sich eine Laboranalyse, z. B. Gas-in-Öl-Analyse (DGA), Bestimmung von Wassergehalt und Säurezahl sowie die Bestimmung des PCB-Gehalts. Das Ergebnis dieser Analyse zeigt, ob eine Verbrennung notwendig oder eine Regeneration des Transformatorenöls wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist. - Transport und Genehmigungen:
Der Transport von Isolierölen unterliegt Gefahrgut-Bestimmungen und darf nur von zugelassenen Unternehmen durchgeführt werden. Eine lückenlose Dokumentation ist Pflicht. - PCB-haltiges Transformatorenöl:
- Erfassung und Kennzeichnung: PCB-haltige Öle müssen gemäß gesetzlichen Vorgaben inventarisiert und gekennzeichnet werden.
- Entsorgungswege: Abhängig vom PCB-Gehalt ist entweder eine Dekontamination (z. B. Dechlorierung) oder die Zerstörung in zugelassenen Anlagen vorgeschrieben – Verbrennung ist nur eine der möglichen Methoden.
.jpg?width=290&name=Dominik_Schulz_Electrical_Oil_Services_560x560px_250828%20(1).jpg)